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Der Gentleman der Gegenwart

Gentleman sein: Unbedingt – aber mit der gebotenen Zurückhaltung

Aufmerksam, aber nicht aufdringlich, höflich und zuvorkommend, elegant und humorvoll: Es gibt viele Aspekte, die einen Gentleman auszeichnen. Dabei sind die Zeiten längst vorbei, da der Definition nach ein Gentleman von adliger Herkunft sein muss, um überhaupt Gentleman sein zu können. Einerseits liegt das sicherlich daran, dass der Adel insgesamt ein wenig aus der Mode gekommen ist, und andererseits gibt es durchaus Beispiele dafür, dass so mancher Mann zwar blauen Blutes ist, von den genannten Eigenschaften aber dennoch kaum etwas aufweisen kann. Umgekehrt erweisen sich Männer als Gentleman, denen es ob ihrer „einfachen“ Herkunft gar nicht zugetraut würde. Und dann gibt es noch all diejenigen, die prinzipiell gerne Gentleman sein würden, sich aber nicht so recht trauen. Immerhin handelt es sich dem Ursprung nach um „alte“ Verhaltensweisen, die allein deswegen vielerorts verpönt sind, und ob es in der Damenwelt ankommt, wenn sich ein Mann ob seines eigenes Selbstverständnisses zuvorkommend und höflich verhält, kann von Fall zu Fall höchst unterschiedlich ausfallen. Also gilt, gewissermaßen als Grundregel: Wer sich wie ein Gentleman verhalten möchte, weil er es für sinnvoll oder notwendig hält, weil es angemessen ist oder einfach nur Spaß macht – der sollte zuvor mit der gebotenen Zurückhaltung das Terrain sondieren. Sonst kann es schnell passieren, dass Höflichkeit mit Aufdringlichkeit verwechselt wird, oder gar mit einer ganzen miesen Anmach-Tour. Nichts ist eben heute mehr unmöglich.

Äußerlichkeiten nicht mehr von entscheidender Bedeutung

Dass „der Gentleman“ ein wenig aus der Mode gekommen ist, mag aber auch daran liegen, dass es so mancher Mann mit seinem Verhalten übertrieben hat. Da glaubte Gentleman zu sein, wer ein teures Autos steuerte (ob es ihm auch wirklich gehört, war nebensächlich), und wer sich ob der grundlegenden Eigenschaften als Gentleman wähnte, trug die Nase auch ganz gerne mal etwas überhöht. Beim vermeintlich schwachen Geschlecht kommt das alles andere als gut an, und so taten die echten Gentleman, was sich für einen Gentleman eben gehört: Sie hielten sich vornehm zurück. Auch der Wandel des Zeitgeists machte sich bemerkbar. Waren einst Frack und Zylinder quasi die unentbehrlichen und sofort ersichtlichen Markenzeichen des Gentlemans, so kann heute durchaus auch Gentleman sein, wer Jeans und Sweatshirt trägt – es kommt eben auf das Verhalten an, nicht mehr in erster Linie auf die optische Erscheinung. Und bei genauer Betrachtung ist das auch gut so.

Der Gentleman hat es zuweilen schwer

Aber was bringt es dem Gentleman in der Gegenwart, Gentleman zu sein? Grundsätzlich gehört erst einmal Mut dazu, sich ganz offen wie ein Gentleman zu verhalten. Denn es gibt mehr als genug Zeitgenossen, die den Gentleman mit dem Playboy verwechseln oder glauben, ein Gentleman sei in Wahrheit nur ein neureicher Taugenichts und Angeber. Dann gibt es da noch Zeitgenössinnen (oder heißt es Zeitgenossinnen? – egal), die im Beruf (endlich) Führungspositionen übernommen haben und davon überzeugt sind, dass Gentleman-Verhalten in ihrem Umfeld nur zur Perfektion getriebene Schleimerei darstellt, und damit hat der echte Gentleman trotz ehrlicher Absichten erst recht verloren. Der Gentleman kann dann schon ins Gerede kommen, wenn er der Chefin nur die Tür aufhält (komisch, noch vor wenigen Jahrzehnten wurde zum Gespött, wer das nicht tat). Also bleibt dem Gentleman oft nichts anderes übrig, als es dem Kavalier gleichzutun und zu schweigen. Der Genuss ist da ohnehin längst auf der Strecke geblieben.

Lieber Gentleman, als Rüpel

Lohnt es sich ob all dieser Umstände und Hindernisse heutzutage dann überhaupt noch, Gentleman zu sein? Nun ja, zunächst stellt sich diese Frage für einen Gentleman nicht. Gentleman sein steht in der Neuzeit vielmehr für eine Haltung und für bestimmte Tugenden, die unverändert gültig sein sollten, aber es bei weitem nicht sind. Diese Tugenden hat Man(n) – oder Man(n) hat sie nicht. Gentleman sein lässt sich auch nicht durch die Belegung noch so einschlägiger und sündhaft teurer Fortbildungen erlernen; denn wem schon in der Kinderstube nicht beigebracht wurde, dass Rücksichtnahme etwas Selbstverständliches sein sollte, der wird es später kaum noch lernen können (beobachten Sie mal, nur so zum Spaß, eine viertel Stunde lang die Schwenktür eines Supermarktes...). Und, schließlich: Wenn es denn schon nicht immer und überall gern gesehen wird, die Eigenschaften des Gentlemans an den Tag zu legen, dann lohnt sich doch zumindest für sich selbst die Gewissheit, kein rücksichtsloser Rüpel zu sein.